Outsourcing in Bulgarien

Die wirtschaftliche Entwicklung Bulgariens hat ungefährt ab dem Jahr 2000 an Fahrt gewonnen. Seitdem zeigt Bulgarien eine enorme Dynamik, reagiert aber hierbei auch auf konjunkturelle Eintrübungen in den wesentlichen europäischen Volkswirtschaften.

Dominierender Treiber sind die Investitionen ausländischer Firmen, vor allen in den Bereichen Outsourcing (BPO, IT-Services, Call Center), Handel und im Immobiliensektor. Bleiben diese Investitionen aus, wie 2009 bis 2011, verursacht durch die globale Banken- und Finanzkrise, so leidet auch Bulgarien darunter.

Bulgarien wird teurer

Das Preisniveau hat genauso wie das Lohnniveau auf Westeuropa aufgeholt, liegt aber immer noch merklich darunter. Dies hat inbesondere einen Einfluss auf Wirtschaftssektoren mit einer traditionell niedrigen Produktivität, wie etwa die Textilindustrie. Hier muss sich Bulgarien mit „Low-Cost“-Standorten wie Indien, Bangladesch, Vietnam und der Ukraine messen. Der staatlich verordnete Mindestlohn, der für viele bulgarische Näherinnen de-facto ein verordnetes Standardgehalt darstellt, wurde fortlaufend angehoben, und das deutlich über der Inflationsrate. Dadurch sind Investitionen in diesen Bereich unwirtschaftlicher geworden, manche Unternehmen mussten ihren Betrieb gleich ganz einstellen.

Für die Outsourcingindustrie stellt der steigende Mindestlohn keinen Grund zur Sorge dar, hier wird ohnehin deutlich mehr gezahlt. Doch immer neue Unternehmen, die sich vor allem in den universitäten Zentren ansiedeln, haben hier zu Lohnsteigerungen geführt. Dem steht eine zwar gut ausgebildete, aber – aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er Jahre – kleiner werdende Gruppe von Jobeinsteigern gegenüber. Und diesen ergeben sich durch die EU-Mitgliedschaft Bulgariens und die „Magnetwirkung“ von großen Volkswirtschaften wie der deutschen auch interessante Karriereperspektiven im Ausland.

Mittelfristig wird diese Entwicklung dazu führen, dass Investoren sich auf Bereiche mit einer höheren Wertschöpfung fokussieren werden, also weg von einfachen Supportaufgaben im Call Center-Umfeld hin zu Expertentätigkeiten. Ein solches Gebiet ist das beispielsweise das Recruitment Process Outsourcing: Hier übertragen Unternehmen (vorwiegend aus Westeuropa und den USA) Teilbereiche ihrer Personalsuche an speziell hierfür aufgebaute und trainierte Einheiten in Bulgarien. Dies kann innerhalb des eigenen Unternehmens geschehen (durch die Gründung einer Niederlassung in Bulgarien) oder mittels eines Dienstleisters erfolgen. Die zweite Option ist vor allem für KMUs sinnvoll, da der Aufbau eines Standorts sich erst ab einem Rekrutierungsumfang von 50 bis 80 Positionen pro Jahr rentiert, so Experten. Das Thema Outsourcing ist also noch lange nicht am Ende angekommen!